Letztes Wochenende hat es aber dann doch endlich geklappt: Die Tide spielte mit und es war trockenes und für Ende September gar nicht mal so kaltes Wetter vorhergesagt, so dass auch der Zeltübernachtung in Sandstedt nichts im Wege stand.
Also packen wir bereits Freitag abend unsere Sachen und nehmen nach einem gemütlichen Frühstück und einigen letzten Vorbereitungen am Samstag gegen 12 Uhr Mittags die Weserfähre von Farge nach Juliusplate auf der westlichen Weserseite. Hochwasser ist für 13:14 Uhr geplant, so dass wir mehr als genug Zeit haben unsere Boote zu packen und dann mit ablaufendem Wasser nach Sandstedt zu starten.
Während es auf der Farger Seite keine besonders gute Einsatzstelle gibt, eignet sich der Sandstrand beim Hotel Weserblick auf der anderen Seite prima als Startpunkt für unsere zweitägige Kajaktour. Das Auto parken wir auf dem kostenlosen Parkplatz zwischen Fähranleger und Strand und beladen dann unsere Boote. Zwischendurch schauen wir immer wieder kurz auf die Weser. Noch läuft das Wasser auf und es kommen noch einige Paddler Richtung Bremen vorbei.
Als das Wasser dann schließlich zu stehen scheint, steigen wir in die Boote und los gehts. Langsam haben wir doch etwas Hunger bekommen und wollen deshalb in ungefähr fünf Kilometer Entfernung an einem der Strände des Elsflether Sands eine Mittagspause einlegen. Wir paddeln vorbei an großen Tonnen, werden von einem Binnenschiff aus Bangkog überholt und fühlen uns im Vergleich zu dem riesigen Pott ganz schön klein auf dem großen Fluss.
Auf der rechten Seite sehen wir den U-Boot-Bunker Farge, der aus der Ferne erst gar nicht so richtig als Gebäude erkennbar ist, so grün ist seine Fassade über die Jahre geworden.
Kurz vor einem niedlichen weißen Leuchtturm finden wir ein schönes Plätzchen, ziehen die Boote an den Strand und schmeißen den Campingkocher an. Wir löffeln gemütlich unser rotes Fischcurry von Trekn Eat und fragen uns, neben was für einem seltsamen dreieckigen Gerüst wir hier eigentlich angelandet ist (wie ich später erfahre ist es ein moderner Leuchtturm!). Von Nordwesten her ziehen plötzlich dunkle Wolken am Himmel auf. Besorgt schauen wir nach oben. Sollte unserer Trip trotz guter Wettervorhersage doch ins Wasser fallen?
Zu regnen scheint es allerdings aus den düsteren Gebilden nicht und Michael entdeckt sogar einen Segelflieger, der unter der Wolkendecke mit der Thermik spielt. Also nutzen wir die bedrohliche Kulisse noch für ein paar Fotos und paddeln dann weiter Richtung Harriersand.
Kurz hinter unserem Pausenplatz fließt die Hunte in die Weser und der Fluss wird hier noch mal breiter. Als gerade keine größeren Schiffe zu sehen sind, queren wir die Weser auf möglichst direktem Weg, um auf die Harriersand-Seite zu gelangen. Zwar läuft das Wasser jetzt mittlerweile zügig ab, doch gleichzeitig hat ein recht kräftiger Wind aus nördlicher Richtung eingesetzt, so dass wir doch ordentlich paddeln müssen. Die Segelschiffe, die vor der Pause nur mit Motor den Fluss runtergetuckert sind kreuzen nun mit geblähten Segeln auf der Weser hin und her.
Auf unserer linken Seite sehen wir wieder kilometerlange Sandstrände. Wir beschließen, im nächstes Jahr im Sommer zum Baden wieder zu kommen (dazu ist es nämlich jetzt Ende September doch etwas zu kalt) und freuen uns auf die geplante Kaffeepause auf Harriersand. Während auf der rechten Seite immer mal wieder kleine Bauernhäuser mit Privatstrand zu sehen sind, kommen wir auf der linken Weserseite nun an den hübschen Häusern von Brake vorbei. ¨Die wohnen da aber ziemlich schön¨, meint Michael während ich verbissen das Paddel durchs Wasser ziehe.
Kurz vor den Getreidespeichern von Brake sehen wir einen Fischkutter, der seine Netze durch das Wasser zieht. Wir fühlen uns fast schon wie auf hoher See, vor allem als wir rechterseits den großen Anleger der Inselfreunde Harriersand passieren. ¨Sieht aus wie eine Mini-Seebrücke¨, denke ich, während wir kurz hinter dem Anleger Land gehen.
Wir
ziehen Schwimmwesten und Spritzdecken aus und steigen die Böschung
hinauf zur Strandhalle Harriersand, dem Restaurant der Insel. Vom Wasser
aus kommen wir direkt auf die Sonnenterrasse zu und werden von einer
Handvoll Cafe-Besucher interessiert beäugt. Kein Wunder, mit unseren
schlick-verdreckten Neoprenschuhen, den Paddeljacken und den
hochgekrempelten Hosen sehen wir bestimmt ziemlich lustig aus. :)
Trotz
unseres komischen Aufzuges werden wir prompt bedient und genießen wenig
später unseren Milchkaffee mit Blick auf die Getreidesilos und die
tiefstehende Sonne über der Weser. Allzu lange aufhalten wollen wir uns
allerdings nicht, denn es ist schon bald 18 Uhr und wir wollen unser
Zelt in Sandstedt nicht um Dunkeln aufbauen müssen. Also steigen wir
wieder in die Boote und paddeln vom Koffeinschub motiviert weiter nach
Sandstedt.
Dort
wartet allerdings eine etwas unschöne Überraschung. Der Wasserstand ist
mittlerweile so niedrig, dass uns etwa hundert Meter Schlick vom
Sandstrand am Campingplatz trennen. Michael versucht auszusteigen und
sinkt sofort knietief ein, so weich ist der Schlick. Ihm fällt eine
Geschichte wieder ein, die unser Nachbar mal erzählt hat. Ein Freund des
Nachbarn ist in Sandstedt beim Aussteigen aus einem Motorboot im
Schlick steckengeblieben und konnte nur mit Hilfe mehrerer Leuten wieder
rausgezogen werden.
Darauf
haben wir heute eher keine Lust, zumal der Strand komplett menschenleer
vor uns liegt. Wir sind ziemlich ratlos und überlegen, was wir tun
sollen. Schließlich kommt uns die Idee, dass wir am Fähranleger
Sandstedt aussteigen können - wir müssen nur schnell dort weg sein, wenn
die Fähre wieder anlegen will.
Als
wir Richtung Fähranleger paddeln, entdeckt Michael zum Glück doch noch
eine Stelle an einem Steindamm, an der der Boden etwas fester zu sein
scheint. Zwar sinken wir immer noch knöcheltief ein, aber mit dem
Bootswagen schaffen wir es dann schließlich, die Boote über Schlick und
Strand an den Campingplatz zu ziehen. Mit der Fähre treffen
währenddessen von Traktoren gezogene, abenteuerlich zusammengezimmerte
Anhänger mit lauter Partymusik und feiernden Menschen ein - anscheinend
ist hier heute noch irgendwo ein Erntefest.
Da
die Zeltwiese weit weg vom Wasser bei den Sanitärgebäuden liegt und der
Campingplatz jetzt am Ende der Saison sowieso schon recht leer ist,
entscheiden wir uns, das Zelt auf einem Tagesstellplatz für Wohnmobile
direkt am Wasser aufzubauen. Als das Zelt steht, ist es bereits dunkel.
Wir kochen unterm Tarp Spaghetti mit Tomatensauce - da ich leider die
Gewürze vergessen habe, wir es allerdings ein recht fades Abendessen.
Egal, nach dem langen Paddeltag treibt der Hunger das Essen rein. Die
kleine Flasche Rotwein dazu macht das Ganze etwas erträglicher. Den
letzten Schluck Wein nehmen wir dann allerdings aufgrund der Kälte
bereits im Schlafsack liegend zu uns. Gegen 23 Uhr machen wir das Licht
aus. Hochwasser ist für 8:30 Uhr vorhergesagt, also müssen wir morgen
wieder zeitig raus aus den Federn. Aus der Ferne hören wir noch leise
die Musik vom Erntefest.





Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen